Internationale Ärztinnen und Ärzte in Bayern – Zusammenarbeit im Krankenhaus
    © Netzwerk IQ/Annegret Hultsch Fotografie

    Internationale Ärztinnen und Ärzte sind für die Gesundheitsversorgung in Bayern bereits heute unverzichtbar. Doch lange Wartezeiten, hohe Kosten und unklare Verfahren erschweren ihre Integration. Eine neue Analyse der Tür an Tür - Integrationsprojekte gGmbH (Träger der IQ-Anerkennung- und Qualifizierungsberatungen und Koordinierungsstelle der regionalen Integrationsnetzwerke MigraNet plus Franken und Südostbayern) zeigt, wo die größten Probleme liegen – und welche Lösungen dringend notwendig sind.


    Warum wir diese Analyse durchgeführt haben

    Im Rahmen unserer IQ-Fachberatung in Augsburg stehen wir täglich mit internationalen Ärztinnen und Ärzten in Kontakt, die ihre Ausbildung im Ausland abgeschlossen haben. Viele von ihnen berichten von langen Wartezeiten, fehlenden Informationen und hohen Kosten.

    Diese Erfahrungen haben uns motiviert, genauer hinzuschauen. Gemeinsam mit über 250 Ärztinnen und Ärzten, die wir über unsere Beratung und Netzwerke erreichen konnten, haben wir Daten gesammelt und ausgewertet. Daraus ist die Analyse „Anerkennungsverfahren für internationale Ärztinnen und Ärzte in Bayern – Handlungsbedarf und Lösungsansätze“ (Juli 2025) entstanden. 

    Zentrale Ergebnisse unserer Analyse

    • Wartezeiten als Hauptproblem: In Bayern dauert es aktuell mindestens 18 Monate, bis Ärztinnen und Ärzte zur Kenntnisprüfung antreten dürfen – deutlich länger als gesetzlich vorgesehen.
    • Berufserlaubnis ohne Perspektive: 73 % der Befragten hatten die Fachsprachenprüfung bestanden, doch nur 11 % fanden eine Stelle als Assistenzärzt*in. Die Potenziale hoch motivierten Ärztinnen und Ärzte bleiben ungenutzt – während Kliniken Fachkräfte dringend suchen. Die Folge sind finanzielle Not, Frustration und ein Imageschaden für Deutschland als Standort.
    • Hohe finanzielle Belastungen: Viele Betroffene investieren über 10.000 Euro in Sprachkurse, Prüfungen und ihren Lebensunterhalt, während sich das Verfahren hinzieht.
    • Ungleichbehandlung zwischen Bundesländern: Während Facharzttitel nach bestandener Kenntnisprüfung in Hamburg anerkannt werden, ist dies in Bayern kaum möglich – ein klarer Nachteil im Wettbewerb um Talente.

     👉 Alle Ergebnisse und Handlungsempfehlungen finden Sie in der vollständigen Analyse (PDF).

     

    Was sich ändern muss

    Bislang fokussieren sich die politischen Maßnahmen stark auf Einreise und Antragstellung. Die eigentlichen Engpässe liegen jedoch im Inland, insbesondere bei den Kapazitäten und Verfahren. Deshalb empfehlen die Profis von Tür an Tür:

    • Mehr Prüfungskapazitäten: zusätzliche Prüfer*innen und Standorte, etwa an der Uni Augsburg. 
    • Stärkung der Anerkennungsstellen, sowohl personell als auch fachlich, um das Verfahren zu beschleunigen.
    • Länderübergreifender Austausch: Best Practices nutzen und bundesweite Standards schaffen.
    • Transparente Informationen: Betroffene frühzeitig über Chancen und Risiken im Verfahren aufklären.

     

    Warum das Thema so wichtig ist

    Die befragten Ärztinnen und Ärzte zeigen Motivation, Engagement und Fachkompetenz. Sie möchten in Bayern arbeiten und die Versorgung (weiterhin) sichern. Wenn Anerkennungsverfahren jedoch zur Geduldsprobe werden, verlieren wir nicht nur Fachkräfte, sondern auch unsere Glaubwürdigkeit als Einwanderungsland.

    Mit gezielten Beratungsangeboten für internationale Fachkräfte, Arbeitsmarktakteur*innen und Betriebe sorgen wir seit 2005 im Rahmen des Förderprogramms IQ - Integration durch Qualifizierung dafür, dass internationale Talente in Bayern eine klare Perspektive finden und hier gut ankommen.

    Unsere Analyse zeigt eindeutig: Wer die Gesundheitsversorgung in Bayern sichern will, muss die Anerkennungsverfahren dringend reformieren. Internationale Ärztinnen und Ärzte stehen bereit – nun ist die Politik am Zug.

     

     

     

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