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...Wolfgang Hillenbrand

Projekt CHIP - Chancen in der Pflege

Eine Anzahl Geflüchteter in Deutschland verfügt über eine fachliche Ausbildung, Studienabschlüsse oder berufliche Vorerfahrung im pflegerischen Bereich. Häufig liegen jedoch keinerlei schriftliche Unterlagen vor, die im Rahmen eines Anerkennungsverfahrens eingebracht werden könnten. Das Projekt entwickelt daher ein Verfahren für die Kompetenzfeststellung in diesem beruflichen Bereich und bereitet Richtlinien zur praktischen Umsetzung vor. Dazu haben wir Wolfgang Hillenbrand interviewt.

 

Wolfgang, du leitest jetzt seit knapp einem Jahr das Projekt CHIP – Chancen in der Pflege. Wie bist du eigentlich zu MigraNet, dem IQ Landesnetzwerk Bayern, gekommen?

Das IQ Landesnetzwerk Bayern und ich kennen uns schon lange. 2005 bis 2007 habe ich für MigraNet ein Projekt in Potsdam durchgeführt. Dabei ging es um die Entwicklung und Etablierung eines Projekts zur Anpassungsqualifizierung von Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler, die als Ärzte nach Brandenburg kamen. Ab 2015 war ich dann im Entwicklungsteam des Projekts „EiKu – Kultursensibles Einarbeitungskonzept“ bei der Gesellschaft für Ausbildungsforschung und Berufsentwicklung (GAB) München mit dabei.

2017 wurden wir direkt von der Koordination von MigraNet angesprochen, ob wir uns den Themen Pflege, Anerkennung von beruflichen Qualifikationen und möglichen Projektformaten widmen möchten.

 

Das Projekt soll ein Verfahren für die Kompetenzfeststellung im pflegerischen Bereich entwickeln und Richtlinien zur praktischen Umsetzung vorbereiten. Fester Praxispartner ist der kommunale Altenheimträger MÜNCHENSTIFT GmbH. Wolfgang, was sind dabei deine konkreten Aufgaben? Wie sieht ein typischer Arbeitsalltag aus?

Wir arbeiten stark netzwerkorientiert mit vielen verschiedenen Instanzen, Trägern und Behörden zusammen. Es ging bis vor kurzem darum die Möglichkeiten für ein – noch nicht bestehendes – Verfahren zu recherchieren und geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen.

Es gibt Migrantinnen und Migranten, die eine pflegerische Qualifikation im Heimatland erworben haben, diese jedoch nicht mit einem Zeugnis nachweisen können. Dann kommen wir ins Spiel: Wir entwickeln ein Verfahren zur Qualifikationsanalyse, welches allen gesetzlich zusteht. Das Problem: Es war noch keines vorhanden. Wir haben dann das Know-how der verschiedenen Akteure zusammengetragen, wie ein solches Verfahren aussehen kann. Als feste Partner sind beispielsweise die MÜNCHENSTIFT GmbH und die Stadt München an der Erstellung des Konzepts beteiligt. In der zweiten Jahreshälfte 2018 startet das Projekt mit einem Testlauf in München. Wir tragen die Expertise unserer Partner, die bereits lange Jahre in der Pflege, der Ausbildung und der Projektarbeit mit Zuwandererinnen und Zuwanderern aktiv sind, zusammen.

Mein Arbeitsalltag besteht somit aus Interviews, Fachgesprächen, vorbereitenden Verhandlungen und viel Textarbeit am Schreibtisch.

 

Die MÜNCHENSTIFT GmbH hat seit 2015 zwei Modellprojekte zur interkulturellen Öffnung für seine 1.450 Pflegefachkräfte eingeführt. Der Träger von neun Alten- und Pflegeheimen, vier betreuten Wohneinrichtungen und eines großen ambulanten Pflegedienstes will seinen Fachkräften eine gute Arbeitssituation bieten und gleichzeitig für Bewohnerinnen und Bewohner mit Migrationshintergrund attraktiver werden. Macht sich diese offene Vorgehensweise auch in deiner täglichen Arbeit bemerkbar?

Ja, das macht sich bemerkbar. Es ist so: Themen der interkulturellen Offenheit und Toleranz sind so aktuell wie nie und oftmals ausdrücklich von der Geschäftsführung platziert. Die Beteiligten wünschen sich umfangreiche Fortbildungsinhalte, die sie in ihre alltägliche Arbeit mit einbinden können. Das wirkt sich letztendlich auch auf die Personalpolitik und die Kundenorientierung aus. Die Unternehmen sind grundsätzlich für die Integration von Geflüchteten offen und sehen darin auch einen wichtigen Aspekt, um auch in Zukunft gut aufgestellt zu sein.

 

Was gefällt dir an deiner Arbeit am besten?

In der Projektarbeit kann man Neues entwickeln und direkt fachlich und politisch etwas bewegen. Die tagtägliche Arbeit ruft konkrete Veränderungen hervor und ist nicht folgenlos. Außerdem ist mir wichtig, dass ich hinter dem stehe was ich tue und dies moralisch vertreten kann.

 

Das Projekt „CHIP – Chancen in der Pflege“ läuft sehr gut. Woran liegt das deiner Meinung?

Ich hoffe natürlich auch etwas an uns, den beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von CHIP.

Aber vor allem liegt es daran, dass wir Kooperationspartner wie die MÜNCHENSTIFT GmbH, Premium Care Skills, Altenpflegeschulen und einige Kommunen haben, die bereit sind, sich auf eine neue Praxis einzustellen. Dazu gehört unter Umständen auch, Unternehmensstrukturen und bisherige Prozesse in Frage zu stellen und bei Bedarf zu ändern. Bei unserer Maßnahmenentwicklung sind ein stetiger Austausch und eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe essentiell. Nur so kann man Erfahrungen sammeln und daraus geeignete Maßnahmen ableiten.

Und letztlich: In der Pflege herrscht akuter Bedarf an Arbeitskräften und alle Beteiligten sind an einem Erfolg interessiert.

 

Gibt es noch etwas, das du uns sagen möchtest?

Mit Geflüchteten zu arbeiten ist eine sehr motivierende Erfahrung für mich. In unseren Pflegeprojekten arbeiten größtenteils Personen im Alter zwischen 17 und 30 Jahren. Diese jungen Leute sind wissbegierig und lernbereit. Und ich freue mich jeden Tag, hier meinen Teil beitragen zu dürfen.