Wie wird Integrationsarbeit für Geflüchtete vor Ort umgesetzt? Um sich darüber ein Bild zu machen, besucht Staatsekretär Thorben Albrecht vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales das Zentrum für Interkulturelle Beratung (zib.) in Augsburg.

20160713 AlbrechtStaatssekretär Thorben Albrecht im Gespräch mit Stephan Schiele (Leiter von MigraNet und Geschäftsführer der Tür an Tür - Integrationsprojekte gGmbH), Ines Weihing (Projektleiterin Anerkennungsberatung) und Reinhold Demel (Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Augsburg).

Das zib. im ehemaligen Straßenbahndepot am Senkelbach ist ein Ergebnis von Netzwerkarbeit vor Ort. Initiiert von MigraNet, dem bayerischen Landesnetzwerk im Förderprogramm „Integration durch Qualifizierung“ (IQ) und unterstützt durch die Stadt Augsburg entstand das Konzept eines gemeinsamen Beratungszentrums für Migranten und Geflüchtete unter einem Dach. Beheimatet sind hier neben Tür an Tür das Diakonische Werk, der Mesopotamienverein, Caritas und das bayerische Rote Kreuz. Viele Projekte im zib. werden durch das BMAS mit finanziert.

Thema „Netzwerken“ und „Integration von Geflüchteten“

Netzwerkarbeit ist für Tür an Tür schon seit langem Alltagsgeschäft. Tülay Ates-Brunner, Geschäftsführerin der Tür an Tür – Integrationsprojekte gGmbH, stellt mit Formaten wie dem „Runden Tisch Augsburg“ eine Vernetzungsplattform von Experten und Praktikern aus der Migrationsarbeit vor und zeigt auf, wie über das Projekt „WAKA – Willkommens und Anerkennungskultur in Augsburg“ unter anderem das zib. mit finanziert werden kann. „Mit dem „Welcome-Desk“ – unserer ersten Anlaufstelle im Haus können wir unsere Beratungsstellen entlasten“, so Ates-Brunner. Ratsuchende werden hier an die Angebote im Haus vermittelt, kleinere Anliegen direkt bearbeitet. Reiner Erben, Referent für Umwelt, Nachhaltigkeit und Integration bei der Stadt Augsburg zeigt die städtischen Aktivitäten der Stadt Augsburg auf, sich in der Integrationsarbeit intensiver zu vernetzen.

20160713 Albrecht02
Im Café Tür an Tür - Reiner Erben (Referent für Umwelt, Nachhaltigkeit und Integration der Stadt Augsburg) mit Tülay Ates-Brunner (Koordination MigraNet und Geschäftsführerin von Tür an Tür - Integrationsprojekte gGmbH) sowie Staatssekretär Albrecht.

Reinhold Demel, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Augsburg, ist ein langjähriger Netzwerkpartner von Tür an Tür. Einen Mehrwert sieht er darin, dass „sich alle Netzwerkpartner mit Ihren Stärken und Qualitäten in die Integrationsarbeit einbringen“. Mit einem eigenen Asyl-Team sei die Arbeitsagentur Augsburg sehr gut auf Anfragen von Geflüchteten und Migranten vorbereitet.

Ein wichtiger Aspekt bei der Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten ist die Anerkennung von ausländischen Berufsqualifikationen. Hier stellt Ines Weihing, Projektleiterin der MigraNet - Anerkennungsberatung fest, dass die Zahl der Anfragen geflüchteter Personen zunimmt. Ebenso die Anzahl der Anfragen von Haupt- und Ehrenamtlichen Beratungsstellen. Einen Handlungsbedarf sieht Weihing darin, Beratungsangebote zur umfassenden beruflichen Orientierung für Geflüchtete zu schaffen, denn „die Ratsuchenden sollen vor der Arbeitsmarktintegration informiert sein, um bewusste Entscheidung für ihre berufliche Zukunft treffen zu können.“

Aber wie lässt sich die Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten gestalten? Mit einem Validierungsverfahren stellt Stephan Schiele, Geschäftsführer der Tür an Tür – Integrationsprojekte gGmbH ein Verfahren vor, das sowohl kompetenzbasiert, als auch den individuellen Eignungen und Bedürfnissen der Geflüchteten entsprechend vorgeht. „Ziel ist ein in Deutschland formal akzeptierter Berufsabschluss.“ so Schiele. Er betont außerdem, dass Geflüchteten ausreichend Zeit zum Deutsch lernen eingeräumt werden muss. Wichtig sei hier insbesondere die Fach- bzw. berufsbezogene Sprache aber auch die Kommunikation am Arbeitsplatz generell.

Arbeitsagenturen und Jobcenter werden zu Fördermöglichkeiten geschult

Um die Integration von Asylbewerbern und Geflüchteten zu verbessern, erstellte Tür an Tür im Jahr 2013 ein Schulungskonzept zu den Themen Aufenthaltsstatus, Arbeitsmarktzugang und Fördermöglichkeiten. Seitdem konnten mehr als 3500 Mitarbeiter in Arbeitsagenturen und Jobcenter geschult werden. „Inzwischen wird das Schulungskonzept über das IvAF Netzwerk auch bundesweit eingesetzt“ sagt Thomas Wilhelm, Projektleiter bei Tür an Tür. Dabei kommt die gute Vernetzung zweier Förderprogramme vor Ort zum Tragen. Die Schulungen im Rahmen der „ESF Integrationsrichtlinie Bund - IvAF“ werden durch Angebote von MigraNet ergänzt. Hier liegt der Schwerpunk vor allem in der interkulturellen Sensibilisierung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Arbeitsagenturen und Jobcentern.

20160713 Albrecht01
Thomas Wilhelm (Koordination BAVF, Tür an Tür) im Gespräch mit Herrn Albrecht